🌱 Zeiten ändern sich – aber was bedeutet das für die Erziehung in der Kita?
Zeiten ändern sich.
Was früher mühsam von Hand erledigt werden musste, übernehmen heute Maschinen – schnell, zuverlässig und allgegenwärtig.
Ein einfaches Beispiel: Rechnen.
Was früher im Kopf, auf einem Blatt Papier oder mit Hilfe eines eigenen Geräts erledigt werden musste, kann heute jedes Smartphone. Kopfrechnen scheint auf den ersten Blick überflüssig geworden zu sein.
👉 Muss man es also überhaupt noch lernen?
Ein anderes Beispiel: Feuer machen 🔥
Über Jahrtausende hinweg war es eine überlebenswichtige Fähigkeit. Heute gibt es offenes Feuer meist nur noch in Form von dekorativen Kerzen. Ansonsten wurde es durch Öfen, Herde, Heizkörper und andere Technik ersetzt. Kaum jemand muss noch wissen, wie man Feuer ohne Hilfsmittel entfacht.
Diese Beispiele zeigen:
Fähigkeiten, die früher elementar waren, sind heute oft nicht mehr notwendig.
Gleichzeitig sind neue Kompetenzen entstanden, die früher keine Rolle spielten:
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Internet & digitale Medien
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Benutzeroberflächen & Technikverständnis
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soziale Netzwerke
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Informationsflut
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rasend schnelle Entwicklungen
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veränderte soziale Gefüge
🤔 Das wirft eine zentrale Frage auf:
Muss sich auch die Erziehung in der Kita an diese veränderte Welt anpassen?
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Alte Fähigkeiten über Bord werfen – oder bewahren?
Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach:
Wenn sich die Welt verändert, muss sich Erziehung mitverändern.
Doch so einfach ist es nicht.
Denn Kita-Erziehung ist nicht darauf ausgelegt, Kinder auf konkrete Werkzeuge oder Technologien vorzubereiten. Niemand erwartet ernsthaft, dass Kinder in der Kita lernen müssen, ein Smartphone zu bedienen oder soziale Medien zu verstehen.
Und trotzdem stellt sich die Frage:
Sind manche „klassischen“ Inhalte heute vielleicht verzichtbar geworden?
Oder anders gefragt:
👉 Brauchen Kinder wirklich noch Kopfrechnen, wenn Rechner überall verfügbar sind?
👉 Müssen sie Dinge üben, die sie später kaum noch praktisch benötigen?
Kita-Erziehung ist grundlegender als Technik
Die Antwort liegt im Kern dessen, was Kita-Erziehung eigentlich ist.
Die Kita vermittelt keine fertigen Werkzeuge, sondern Grundlagen menschlicher Entwicklung.
Es geht nicht darum, was Kinder später bedienen, sondern wie sie denken, fühlen, handeln und lernen.
Kopfrechnen ist dafür ein gutes Beispiel:
Es geht nicht primär um das Rechnen selbst.
Es geht um:
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🧠 logisches Denken
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🎯 Konzentration
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🔍 Problemlösefähigkeit
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⏳ Durchhaltevermögen
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🔗 das Verstehen von Zusammenhängen
Der Taschenrechner mag das Ergebnis liefern –
das Denken kann er nicht ersetzen.
Genauso verhält es sich mit vielen „alt-hergebrachten“ Fähigkeiten:
Sie sind nicht deshalb wichtig, weil man sie später exakt so braucht, sondern weil sie grundlegende Entwicklungsprozesse fördern.
Was sich wirklich verändert hat
Was sich jedoch sehr wohl verändert hat, ist der Lebenskontext, in dem Kinder heute aufwachsen:
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Informationen sind jederzeit verfügbar
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Bilder und Reize sind allgegenwärtig
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Kommunikation ist schneller, aber oft oberflächlicher
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Aufmerksamkeit wird stärker gefordert – und gleichzeitig schneller überfordert
Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die komplexer, schneller und reizintensiver ist als früher.
➡️ Darauf muss Erziehung reagieren – aber nicht, indem sie alte Grundlagen streicht.
Nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“
Die entscheidende Frage lautet also nicht:
Was können wir weglassen?
Sondern:
Wie können wir Bewährtes sinnvoll mit Neuem verbinden?
In der Kita bedeutet das zum Beispiel:
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Klassische Fähigkeiten wie Sprache, Bewegung, Rechnen und freies Spiel bleiben unverzichtbar
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Gleichzeitig gewinnen Kompetenzen wie:
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Selbstregulation
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Medienreflexion (nicht Mediennutzung!)
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soziale Orientierung
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kritisches Denken
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Frustrationstoleranz
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immer mehr an Bedeutung.
Kinder müssen nicht lernen, wie ein Gerät funktioniert –
sondern wie sie mit sich selbst und ihrer Umwelt umgehen.
Die Kita als stabiler Gegenpol 🧩
Gerade weil sich die Welt so rasant verändert, braucht es Orte, die Stabilität, Verlässlichkeit und Tiefe bieten.
Die Kita kann – und sollte – genau das sein.
Ein Ort, an dem:
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nicht alles automatisiert ist
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Fehler erlaubt sind
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Prozesse wichtiger sind als Ergebnisse
-
menschliche Beziehungen im Mittelpunkt stehen
Hier lernen Kinder Dinge, die zeitlos sind:
🤍 Vertrauen
🌱 Neugier
🤝 Mitgefühl
⏱️ Ausdauer
💪 Selbstwirksamkeit
Diese Fähigkeiten waren früher wichtig.
Sie sind heute wichtig.
Und sie werden es auch morgen noch sein – unabhängig davon, welche Technologien kommen oder gehen.
Fazit: Zeiten ändern sich – Grundlagen bleiben
Ja, Zeiten ändern sich.
Und ja, Erziehung darf und muss sich weiterentwickeln.
Aber Kita-Erziehung ist so grundlegend, dass viele ihrer Inhalte nicht veraltet, sondern umso wichtiger gewordensind.
Alte Fähigkeiten sind keine Relikte – sie sind das Fundament, auf dem Kinder später mit neuen Anforderungen umgehen können.
Nicht alles, was technisch überholt scheint, ist pädagogisch überholt.
Und nicht alles Neue ist automatisch pädagogisch sinnvoll.
🎯 Die Aufgabe der Kita ist es nicht, Kinder für die Technik von morgen fit zu machen –
sondern für das Leben.



















